Ein Ort zum Durchatmen und Staunen
Schon beim Eintreten öffnet sich der Garten wie eine andere Welt. Der Heidegarten am großen Hang empfängt die Besucher mit Weite und natürlicher Kraft – ein sanfter Übergang vom Alltag in die Stille. Der erste Weg führt weiter zum großen Teich, in dessen Mitte eine Buddhastatue ruht und Ruhe ausstrahlt. Wasser, Pflanzen und Himmel spiegeln sich ineinander und laden zum Verweilen ein.
Der Garten verbindet weitere unterschiedliche Bereiche wie das Shangri La als geschützter Ort, den klar strukturierten Japanischen Garten, den Koi-Teich mit begehbaren Steinen sowie Glocken aus Myanmar, einen kleinen Tempel und Gebetsmühlen am Ausgang. Jeder Abschnitt hat seinen eigenen Charakter, bleibt dabei jedoch Teil eines stimmigen Ganzen.
Verschiedene Pflanzenarten, Götterfiguren und Mudras prägen den Garten und laden dazu ein, genauer hinzusehen. Der Park versteht sich als Ort der Geborgenheit und Ruhe. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken.
Zeit, wahrzunehmen, was gut tut.
Heidegarten
Unterhalb des Kassenhäuschens erstreckt sich der Heidegarten. Hier bedecken die farbenprächtigen Polster der fast 10.000 Besenheidepflanzen den südlich des Weges gelegenen Hang wie ein hochfloriger Teppich und prägen den ersten Eindruck der Gartenanlage.
Im Heidegarten werden heimische Wald-Kiefern (Pinus sylvestris) durch gezielte Pflege zu kunstvollen, bonsaiähnlichen Baumskulpturen geformt. Durch das jährliche Ausknipsen der Triebspitzen wird ihr Wachstum bewusst gelenkt. Diese sorgfältige und zeitintensive Arbeit verleiht den Bäumen ihr außergewöhnliches Erscheinungsbild.
Auch bei den übrigen Pflanzen wird großer Wert auf passende und pflegeleichte Sorten gelegt. Beim Lavendel kommt beispielsweise die Sorte „Dwarf Blue“ zum Einsatz, da sie kompakt wächst und weniger Schnittaufwand erfordert.
Generell werden nur Pflanzen gewählt, die an die Standortbedingungen angepasst sind und sowohl Sommerhitze als auch Winterfrost gut vertragen.
Großer Teich
Wenige Schritte vom Eingang entfernt fällt der Blick auf den großen Buddha aus Bronze. Am Ufer des Teiches sitzend strahlt er Gelassenheit und Ruhe aus und bildet ein konstantes Element, während sich die umgebende Pflanzenwelt im Lauf der Jahreszeiten verändert.
Am Ende des großen Hangs stehen eine schon große Chitalpa und eine Paulownia sowie ein Cercis canadensis hinter einer mächtigen Statue, rechts an einem Sitzplatz eine schöne Catalpa. Im großen Teich blühen verschiedene Seerosensorten. Ein teilweise sehr schmales Beet trennt den Weg vom Teich. Dieses ist unter anderem mit zahlreichen Nelkenwurzarten- und sorten, mit Astrantia, Hosta plantaginea, Iris, Ajuga, Taglilien, Fackellilien, diversen Storchschnäbeln, aber auch Lychnis chalcedonica Plena, Hibiscus moscheutos Chatelaine, Strauchpfingstrosen, Angelica gigas und vielen anderen Arten bepflanzt.
Vom gegenüberliegenden Ufer grüßt eine überlebensgroße sitzende Buddhastatue.
Links des Weges sind zwischen einigen großen Thuja und Amelanchier zahlreiche Beetstauden wie Phlox, Physostegia, Echinacea, Liatris gepflanzt. In den schattigeren Bereichen findet man Staudenclematis, Silberkerzen, Rodgersia, Brunnera Jack Frost, Rhododendron, Lilien und viele weitere Schattenstauden. An Gehölzen findet man u. A. noch junge Sorbus Joseph Rock, Aralia elata Variegata, Forhergilla major und schon größere Clethra und Sorbus vilmorinii.
Shangri La
Shangri-La ist ein sagenumwobenes Paradies, das für Frieden, Harmonie und zeitlose Schönheit steht. Der Begriff stammt aus dem Roman Lost Horizon (1933) von James Hilton und bezeichnet ein verborgenes Tal im Himalaya, fernab der Welt. Heute symbolisiert Shangri-La die Sehnsucht nach einem idealen Ort des Glücks und der Ruhe.
Im Osten schließt sich an den Rasen, getrennt durch einige Tsuga, ein 2008 neu angelegter Gartenteil an. Auf einer großen Lichtung gruppieren sich drei kleine Tempel um eine große mit nepalesischen Schiefer gepflasterte Fläche. Ein Tor mit einem mehrere hundert Jahre alten nepalischen Fenster begrenzt die Fläche nach Norden.
Der Blütenreigen in dieser sehr artenreichen Neuanlage beginnt im Frühjahr auf den Schattenflächen unter den Kiefern. Viele Elfenblumen, Schattengräser, Schattenphloxe, Syneilesis, Boemeria, Saruma, Mertensia, Meehania, Schattenastern, Farne, Funkien Schaumblüten, … beleben diesen Gartenteil mit ihren duftigen Blütenschleiern.
Im Norden der Anlage befindet sich eine Beetstaudenanlage. Hier sind Astern, Helenium, Vernonia, Thalictrum, Filipendula kamtschatica, Sanguisorba, mehrere Storchschnäbel, diverse Gräser und zahlreiche weitere Arten zu entdecken, die im Sommer und Herbst für Blühhöhepunkte sorgen.
Diverse Salbei, Doldenblütler, Klee, … beleben im Frühsommer den östlichen Teil der Anlage an einem eher trockenen Südosthang. An Gehölzen findet man in diesem Gartenteil unter anderem gelbe Magnolien, Magnolia tripetala, Disanthus, Clerodendron, verschiedene Osmanthus und Stewartia.
Japan Garten
Kehrt man aus dem Shangri-La auf die große Rasenfläche zurück, zieht der japanisch inspirierte Teil des Gartens die Blicke unweigerlich auf sich. Die helle Kiesfläche ist sanft modelliert und sorgfältig gerecht. Jedes noch so kleine Blatt, das dort gelandet war, wurde entfernt, bevor die ersten Besucher eintreffen.
Durch seine ruhige, meditative Ausstrahlung erinnert dieser Bereich zunächst an einen klassischen Zen-Garten. Im Unterschied zu einem reinen Zen-Garten, der nur aus Steinen, Kies und gelegentlich etwas Moos besteht, wächst im Japan-Garten von Wiesent jedoch auch eine Mädchen-Kiefer. Sie wird zwar mit der Schere in Form gehalten und wirkt wie ein Bonsai, doch ihre Wurzeln dürfen sich frei im Boden ausbreiten und werden nicht beschnitten. Dadurch kann sie deutlich höher als ein Meter werden – eine Größe, die ein echter Bonsai normalerweise nicht erreicht.
Auch der purpurfarbene Fächer-Ahorn, der die Kiesfläche ergänzt, kommt ohne Formschnitt aus. Dass er sich dort dennoch wohlfühlt, liegt laut Olaf Grabner an besonderen Standortbedingungen: Im Sommer heizt sich der Kies stark auf, doch unter dem Beet verläuft Hangwasser, das durch die Kiesel sickert und für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit sorgt. Gerade der reizvolle Kontrast zwischen hellem Kies und farbigem Laub macht diesen Bereich zu einem beliebten Fotomotiv. Eine Nachahmung ist jedoch schwierig, denn ohne das Hangwasser würde die starke Sonneneinstrahlung über dem Kies zu trockener Hitze führen – Bedingungen, die einem Fächer-Ahorn normalerweise schaden würden.
Koi-Teich
Trittsteine führen in einem sanften Schwung durch den Teich der Koi-Karpfen. Wer diesen Weg wählt, kann die schwimmenden „Juwelen“ aus Japan gut beobachten und zugleich zur Ruhe kommen. Schritt für Schritt wird bewusst gesetzt, aber keine Sorge: Auch Ungeübte können hier bedenkenlos übers Wasser gehen.
Das Füttern der zutraulichen, als „Juwelen“ bezeichneten Koi aus Japan ist für Heribert Wirth mit der Zeit zu einer festen und geschätzten Gewohnheit geworden – obwohl er anfangs gar nicht geplant hatte, diese in der japanischen Gartenkultur so bedeutsamen Fische anzuschaffen.
Dass heute Koi-Karpfen im Teich schwimmen, verdankt sich vielmehr einem glücklichen Zufall. Vor einigen Jahren wurde Wirth der Kauf von Kois angeboten, was er jedoch ablehnte, da für ihn zunächst die Weiterentwicklung und der Erhalt des Parks im Vordergrund standen. Der Besitzer der Fische war nach einem Besuch jedoch so begeistert von der Anlage, dass er ihm kurzerhand drei Karpfen schenkte.
Inzwischen ist nicht nur die Zahl der Fische gestiegen, sondern auch Wirths Freude an ihnen. Er hat jedem Koi einen eigenen Namen gegeben – und zur Überraschung der Besucher schwimmen die Tiere tatsächlich herbei, wenn er sie ruft.
Glocken aus Myanmar
Die drei Bronze-Glocken entdeckte Heribert Wirth in Myanmar. Den Auftrag, für diese Schätze ein Gerüst zu bauen, vertraute er Andreas Lindner an. Der Oberpfälzer hat sein Handwerk zur Kunst erhoben und an vielen Stellen des Parks Spuren hinterlassen. Für die Glocken baute er einen Turm aus den Bohlen alter Mooreichen und setzte sie damit würdig in Szene.
Die Myanmar-Glocken stehen im Bereich des Himalaya-Hangs, der dicht und waldähnlich bepflanzt ist. Die Vegetation orientiert sich an der Pflanzenwelt Nepals und des östlichen Himalayas. Prägend sind üppige, strukturreiche Pflanzungen mit vielen Grüntönen, besonders nach der Rhododendronblüte im Sommer.
In der Umgebung wachsen zahlreiche Himalaya-Arten, darunter:
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verschiedene Rhododendron-Raritäten, teils speziell an das rauere Klima angepasste Sorten
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begehrte Scheinmohn-Arten (Meconopsis), die mit ihren intensiv blauen Blüten auffallen
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seltene Kletterpflanzen wie das Tränende Herz (Dactylicapnos scandens)
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exotisch wirkende Arten wie Cautleya spicata aus der Familie der Ingwergewächse
Da viele dieser Pflanzen eine hohe Luftfeuchtigkeit benötigen, wurden im Hang Wasserläufe angelegt, die im Sommer die Luft kühlen und befeuchten. So entsteht rund um die Glocken eine atmosphärisch dichte, leicht mystische Waldsituation mit fernöstlichem Charakter.
Die Kombination aus schattigem Hang, Wasser, seltenen Himalaya-Arten und dem aus Mooreichen errichteten Glockenturm verleiht diesem Bereich eine ruhige, fast spirituelle Ausstrahlung, die die Herkunft der Glocken aus Myanmar atmosphärisch unterstreicht.









